View of the economic World

Angesichts eines äußerst turbulenten Schlussquartals an den Börsen wollen wir Ihnen in unserer ersten Newsroom-Ausgabe des neuen Jahres etwas ausführlicher unseren Blick auf die Welt darlegen und die Phänomene entsprechend unserer Investmentstrategie einordnen, um Ihnen ein noch besseres Gefühl zu vermitteln, wie wir als unternehmerische Investoren ticken und makroökonomische Entwicklungen in unseren Anlageentscheidungen berücksichtigen. Wirtschaftliches Umfeld: Ende der Zinswende und abkühlende Konjunktur

Im Laufe des vierten Quartals 2018 verdichteten sich die Anzeichen einer weltweiten Abkühlung der Konjunktur. Die Phase des globalen synchronen Wachstums ist de facto beendet, wenn wir die Entwicklung in einzelnen Schwellenmärkten ausblenden, die sich von der Weltkonjunktur weitgehend abkoppeln können. Selbst der verwöhnten chinesischen Volkswirtschaft, Lokomotive des globalen Wirtschaftswachstums, scheint so langsam die Puste auszugehen. Folgende ernstzunehmende Risikofaktoren deuten auf einen äußerst fragilen ökonomischen Zustand des Reichs der Mitte hin:

  • schwächster Auto-Absatz seit zwei Jahrzehnten auf dem weltweit größten Markt
  • Einbruch des Konsumentenvertrauens
  • Einkaufsmanagerindex indiziert Kontraktion der Wirtschaft (vgl. Grafik 1)
  • Preisverfall und Rückgang der Käufe am Immobilienmarkt
  • Kreditvergabe an private Haushalte und Unternehmen geht zurück
  • Exportvolumen rückläufig aufgrund des Handelskonfliktes mit USA

 

Die chinesische Regierung und die chinesische Zentralbank versuchen mit konventionellen keynesianischen Maßnahmen und einer Ausweitung der Kreditmenge gegenzusteuern. Dies dürfte die strukturelle Verzerrung an den Märkten und die Fehlallokation von Kapital weiter verstärken, was notwendigerweise langfristig auf eine schmerzhafte Bereinigung und Korrektur hinauslaufen muss. Darauf sind weder die chinesischen Institutionen noch die Investoren vorbereitet. Der marktbreite Aktienindex Shanghai Composite hat mit einem Rückgang von über 25 Prozent innerhalb eines Jahres einen Großteil der konjunkturellen Abkühlung bereits vorweggenommen. Ob sämtliche genannten Risiken bereits eingepreist sind, bleibt zumindest fraglich.

Neben der konjunkturellen Entwicklung prägten zum Jahresende vor allem die US-Zinsen das Marktgeschehen. Das FED führte im abgelaufenen Kalenderjahr drei Zinserhöhungen auf 2,0 bis 2,25 Prozent durch. Gleichzeitig sind die Zins-Futures, welche die Markterwartungen auf künftige Zinsen bepreisen, seit September deutlich gefallen. Damit scheint eine nachhaltige Zinswende zunächst gestoppt. Auch das Protokoll der letzten Sitzung des FED deutet eher auf eine „geduldige“, sprich wieder lockerere, Geldpolitik hin. Dies sollte die Märkte zumindest kurzfristig etwas beruhigen. Angesichts negativer Realzinsen in der Eurozone bleibt die EZB hingegen auf einem ultraexpansiven Kurs, auch wenn das Aufkaufprogramm für Staatsanleihen Ende des Jahres auslaufen wird. Wir schließen allerdings nicht ganz aus, dass die EZB wieder „rückfällig“ wird und in ihrer Verzweiflung noch viel umfangreichere Maßnahmen beschließt. Helikoptergeld liegt als Option immer noch in der Schublade. Last but not least betrachten wir das europäische Bankensystem, allen voran das italienische, als akut gefährdet. Die im Ernstfall zu erwartenden verheerenden Auswirkungen auf die Kapitalmärkte können wir im Umfang derzeit nur erahnen.

Aktienmärkte: Ende des Bullenmarktes

Bereits im ersten Halbjahr 2018 zeichnete sich ab, dass sich der US-Markt im Endstadium der Hausse befindet. Und tatsächlich folgte prompt ein Absturz historischen Ausmaßes, welcher das Ende des Großen Bullenmarktes seit 2009 markiert.

Der Dow Jones erlebte den schlechtesten Dezember seit der Weltwirtschaftskrise 1931. Der Technologieindex NASDAQ hatte sein schlechtestes Quartal seit der Finanzkrise 2008. Aber auch der deutsche industrielastige Leitindex DAX hat herbe Verluste hinnehmen müssen und legte mit – 19 Prozent das sechs schlechteste Börsenjahr seit 1959 (!) hin. Wir können konstatieren, dass der langjährige Bullenmarkt im Dezember 2018 ein jähes Ende gefunden hat. Gegenläufig zum allgemein negativen Börsentrend der entwickelten Industriestaaten haben sich der brasilianische und indische Aktienmarkt entwickelt. Der marktbreite brasilianische BOVESPA avancierte mit +13 Prozent gar zum besten Aktienindex der G20-Staaten.

Ob der „Crash nun wirklich da ist“ (Florian Homm), vermögen wir nicht zu beurteilen und ist Kaffeesatzleserei. Es ist allerdings durchaus vorstellbar, dass die Märkte nun richtig abtauchen. Die systemischen Risiken, vor allem die verfehlte Geldpolitik und die jüngsten Entwicklungen in China, könnten ein solches Szenario begünstigen. Aber auch ein Japan- Szenario des langwierigen zähen „Durchwurschtelns“ ist denkbar. Die japanische Zombie-Wirtschaft liegt nunmehr seit 3 Jahrzehnten auf der Intensivstation und wird mit Niedrigzinsen am Leben gehalten. Wir halten auch in Europa längere Niedrigzinsphasen mit einhergehender Stagnation für nicht ausgeschlossen.

Gold: Der Anker im Portfolio

Wie so oft in der Vergangenheit entwickelte sich der Goldpreis gerade in einer von Angst und Panik geprägten Börsenphase entgegengesetzt zu den Aktienmärkten. Er konnte im letzten Quartal um über 7 Prozent zulegen. Auch der Silberpreis verzeichnete ein Plus von über 7 Prozent. Die Edelmetalle betrachten wir im Rahmen unserer Realwert-Strategie als wertvolle Absicherungskomponente, welche gerade in turbulenten Märkten für Stabilität sorgt.

Nach der jüngsten Korrektur haben sich die Bewertungen der meisten Aktienmärkte auf ein faires bzw. leicht unterbewertetes Niveau eingependelt. Als aktive Stockpicker finden wir nun wieder etliche Qualitätsaktien mit attraktiven Bewertungen.

Investment-Chancen & Risiken

Die Rückkehr einer erhöhten Volatilität an den Märkten ist nach unserer Auffassung die Rückkehr zur Börsen-Normalität. Die fetten Jahre begleitet von Sorglosigkeit der Anleger sind nach unserer Einschätzung vorbei. Während der zurückliegenden Hausse hat „die Flut sämtliche Boote angehoben“ (Warren Buffett), d.h. es konnten gute Renditen erzielt werden ungeachtet der Qualität der Titelselektion. Auch teure Aktien niedriger Qualität konnten von der Aufwärtsbewegung profitieren. Höhere Volatilität ist das Abbild einer höheren Verunsicherung der Marktakteure. Dies eröffnet uns als Value-Investoren Opportunitäten mit überdurchschnittlichem Renditepotenzial. Marktbewegungen schüren Emotionen. Und Emotionen erzeugen Kaufgelegenheiten. Wir erwarten aufgrund des sich verdüsternden makroökonomischen Umfelds und der weiter hohen politischen Risiken auch in 2019 eine hohe Volatilität an den Märkten mit entsprechenden Investmentchancen.

Die wichtigsten Transaktionen in Q4-2018

Im Verlauf des vergangenen Quartals haben wir in den weltweit größten Bierproduzenten Anheuser Busch InBev und die Social Media Werbe-Plattform Facebook investiert. Jedes dritte Bier der Welt stammt von Anheuser-Busch. Das Unternehmen verfügt mit seinem Premium-Markenportfolio über eine herausragende Preissetzungsmacht. Sieben der zehn wertvollsten Biermarken stammen aus dem Hause Anheuser. In den letzten fünf Jahren verfügte der Brauer mit 4,6 Prozent p.a. über das höchste organische Wachstum unter den größten Konsumgüterherstellern. Die Aktie ist nach dem jüngsten Einbruch attraktiv bewertet und ist DAS Basisinvestment eines sicherheitsorientierten Portfolios. Auch Facebook ist nach dem Kurseinbruch historisch tief bewertet und ist ein exzellentes Langfristinvestment mit einem robusten Geschäftsmodell. Das Unternehmen ist schuldenfrei, verfügt aufgrund seiner Marktmacht über gigantische Margen und kann in den nächsten Jahren weiter zweistellig wachsen.

 

Investmentstrategie

Die taktische Allokation in den Kundenportfolios passen wir ständig der Marktstimmung und dem Bewertungsniveau der Einzelinvestments an. Wir sehen nach der jüngsten Korrektur noch zahlreiche Top-Langfristinvestments mit attraktiven Bewertungen. Bei anhaltender Kursschwäche werden wir daher die Investitionsquote weiter erhöhen. Sollten sich die Stimmung an den Märkten merklich bessern und in Euphorie oder gar Gier umschlagen, dann werden wir andererseits konsequent und entschlossen auch wieder in Liquidität gehen. In einem hochvolatilem Markt mit schnell wechselnden Risk-Off und Risk-On-Phasen schafft aktives Value-Investing einen deutlichen Mehrwert gegenüber einer passiven Buy-and-Hold Strategie. Behalten Sie kühlen Kopf und bleiben Sie geduldig in dieser turbulenten Phase. Für diese Gelassenheit und Selbstdisziplin werden Sie mit langfristig überdurchschnittlichen Renditen belohnt werden.

Ihr
Ronny Stagen

2019-07-29T15:59:23+00:00