Buchempfehlung: 
Das Risiko und sein Preis: Skin in the Game

von Nassim Nicholas Taleb

„Diese selbsternannten Mitglieder der angeblichen Intelligenzija vermögen keine Kokosnuss auf einer Kokosnuss-Insel zu finden, das heißt, sie sind nicht intelligent genug, Intelligenz zu definieren, weil sie in Zirkularitäten fallen – ihr Haupttalent besteht in der Fähigkeit, Prüfungen zu bestehen, die von ihresgleichen entworfen wurden, oder Studien zu verfassen, die von Leuten wie ihnen gelesen werden.“

Die meisten Menschen verbinden mit dem Namen Nassim Nicholas Taleb vor allem den Begriff „Der Schwarze Schwan“. Das gleichnamige Buch wurde ein internationaler Bestseller. Seitdem ist das dunkle Federvieh nicht nur ein geflügeltes Wort, sondern eine Art moderner Sündenbock, der immer dann herangezogen wird, wenn wieder einmal etwas gründlich schiefgelaufen ist, was so nun wirklich niemand ahnen konnte.

Talebs Texte sind im eigentlichen Sinne Essays, Versuche eines Unerschrockenen, Lebensweisheit zu destillieren – und die intellektuellen Irrtümer aufzuspüren, die das Leben prägen. Das Werk ist insgesamt in acht Bücher gegliedert, wobei das erste im Wesentlichen aus einem dreiteiligen Prolog besteht. Es folgen 19 Kapitel, in denen Taleb nicht weniger will, als dem Leser zu helfen die Welt, in der er lebt, besser zu verstehen. Er greift hier auf einen enormen Wissensschatz an historischem Hintergrundwissen zurück und verknüpft dies geschickt mit aktuellen Begebenheiten. Was für den Leser, der zum ersten Mal mit Taleb in Berührung kommt, zunächst verwirrend erscheinen mag, folgt der Autor jedoch einer inneren Ordnung. In seinen Grundthemen schwingen viele Fragen mit, etwa: Wie viele Informationen sollte man mit anderen teilen, beispielsweise als Gebrauchtwagenhändler gegenüber einem potenziellen Kunden? Oder Talebs Definition von Rationalität, bei der es vor allem um das Überleben geht.

Nach der festen Überzeugung des Autors sollten wir nur denen vertrauen, die auch „Skin in the Game“ haben, also die eigene Haut riskieren. Da ist dem Hausverstand der Großmutter allemal mehr zu trauen als jenen Berufen, die es sich in einer risikoarmen Existenz eingerichtet haben: Journalisten, Berater oder Wirtschaftsprofessoren etwa, die zwar munter Empfehlungen geben, aber selbstverständlich nicht für deren Auswirkungen haften. Die Universität bezeichnet er als Rückzugsort „stochastophober Schwätzer“. Das Gleiche gilt für die Politik, die zwar an allen möglichen Schrauben dreht, die Konsequenzen im Wesentlichen aber nicht selbst erdulden muss.

Fazit

Taleb selbst beweist in seinem neuen Buch durchaus Skin in the Game. Der Autor macht sich darin auf jeder Seite angreifbar, indem er andere angreift. In vielen Punkten spricht mir der Autor von der Seele, und dennoch habe ich mir immer wieder die Frage gestellt, ob es nicht auch kürzer gegangen wäre. Das ist auch der Grund, weshalb mein Fazit etwas verhalten ausfällt. Sicherlich ein interessantes Buch, das man aber nicht unbedingt lesen muss.

Über den Autor

Nassim Nicholas Taleb, geboren am 1. Januar 1960 in Amioun, Libanon, ist ein philosophischer Essayist und Forscher in den Bereichen Statistik, Zufall und Epistemologie und ehemaliger Finanzmathematiker. Er arbeitete als Spezialist für komplexe Finanzderivate in mehreren Wall-Street-Unternehmen, bevor er eine zweite Karriere als Wissenschaftler begann. Seine Sachbücher, darunter die Welterfolge „Der Schwarze Schwan“ und „Antifragilität“, wurden in 33 Sprachen übersetzt.

2019-07-29T15:59:23+00:00